Thursday, July 14, 2016

Im Gespräch mit Industrie 4.0 Initiatoren



Am 13. und 14.7.2016 hat in Stuttgart das acatech Patenkreistreffen stattgefunden. Der Gastgeber war Robert Bosch GmbH mit spannenden Einblicken in die Bereiche Vernetzung der Industrie und der Mobilität bei Bosch. Aber der Reihe nach...

Der Auftakt wurde schon zum Highlight. In der Stuttgarter Innenstand haben wir zwei hochkarätige Vordenker und Initiatoren der Industrie 4.0 getroffen. Siegfried Dais (Robert Bosch Industrietreuhand KG) und der acatech Präsident Henning Kagermann haben zuerst erklärt, dass es beim Thema Industrie 4.0 viel mehr um die neue Organisation und Steuerung der Wertschöpfungskette handelt als um reine Technologie. Die Technologie wird eher als Enabler gesehen. Die Erzeugung von Ökosystemen wurde schon viel früher angestrebt, aber die Technologien waren noch nicht da. So konnte man ein integriertes System nur auf einem kleinerem Raum (wie z.B. Auto) erstellen.

Im Kontext der Industrie 4.0 reden will über veränderte vernetzte Wertschöpfungsnetzwerke, die durch die Digitalisierung und Simulation optimiert werden können. Kooperation in solchen Netzwerken ist nicht nur wichtig sondern auch verständlich. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass das ganze Ökosystem aus einer Hand kommt. Und so übernehmen Kooperation, Integration und Connectivity eine entscheidende Rolle.


Industrie 4.0 besteht allerdings nicht nur aus Technologie, anderer wichtiger Faktor ist der Mensch.
Prof. Kagermann vertritt die These:
"Wenn wir die Chancen und Potenziale richtig nutzen, werden wir eher mehr Jobs haben, als weniger. Sollten wir die Digitalisierung und damit Verbundene Transformation verschlafen, bekommen wir ein Wettbewerbsfähigkeit-Problem und dann sind einige Jobs in Gefahr."

Zentrale Frage ist, wie wir in kommenden 5-7 Jahren bei den Mitarbeitern die benötigte Qualifikation aufbauen. Für die beiden Herren ist eins klar, es wir keine menschenleeren Fabriken geben. Vollautomatisierte Produktionen sind nicht so effizient und leistungsfähig, wie Produktionslinien in Kombination mit Menschen und Maschinen.

Es war sehr erfreulich zu hören, dass Deutschland im Thema Industrie 4.0 immer noch 2-3 Jahre Vorsprung hat. Diesen Vorsprung gilt es weiter zu halten. Die Schnelligkeit und Agilität werden entscheiden, ob USA, China, Japan und andere Länder diesen Vorsprung wettmachen können.

Ein Defizit verbirgt sich hinter den Kulissen und das sind die neuen digitalen Geschäftsmodelle. Bei der Vorstellung von Industrie 4.0 wurde (bewusst) der Schwerpunkt auf Smart Factory und Produkt gelegt. Das Produkt liegt einem High-Tech Land wie Deutschland doch näher. Kommend vom Kunden, bzw. Nutzer, geht es in erster Linie um Geschäftsmodelle und das Umdenken in Unternehmen, oder sogar ganzen Branchen.


Prof. Dr. Elgar Fleisch von der ETH in Zürich hat die Hauptmerkmale der digitalen Geschäftsmodelle zusammengestellt. Alle weitere Geschäftsmodelle bilden nur eine Variante der schon bekannten.
Eine Plattform-Firma zu werden ist eben nicht ganz einfach...



Im Anschluss wurden wir in das Werk Feuerbach eingeladen, und danach durften wir eine Führung in der Bosch Villa mitmachen. Bei Empfang und Dinner im Bosch Haus Heidehof haben wir mit Experten über die Connected Mobility und die kommunikativen Herausforderungen des Themas diskutiert.

Am Morgen darauf hat Mirko Meurer, der Geschäftsführer des Science Media Centers, uns aus der Arbeit dieser Einrichtung berichtet.

Im Anschluss hat die acatech Geschäftsstelle laufende und geplante Projekte vorgestellt.

Aus meiner Sicht war es eine sehr gelungene Veranstaltung mit vielen neuen Impulsen und Kontakten.

Vielen Dank auch an die Robert Bosch GmbH für die exzellente Organisation!